An interessanten L&D-Konferenzen, BarCamps und anderen Veranstaltungen mangelt es nicht. Der Kalender lässt sich problemlos füllen. Schwieriger ist eine andere Frage:
Welche Veranstaltungen lohnen sich für mich wirklich?
Genau vor dieser Frage stand ich, als ich nach interessanten L&D-Veranstaltungen für die kommenden Monate suchte. Eine gute, aktuelle Übersicht zu finden, war erstaunlich schwierig. Informationen waren über verschiedene Websites verteilt, manche Listen nicht mehr aktuell und bei anderen Veranstaltungen musste ich erst einmal herausfinden, ob sie für Corporate Learning und Personalentwicklung überhaupt relevant waren.
Also begann ich, selbst zu sammeln. Daraus ist inzwischen mein Konferenzregister für L&D entstanden.
Bei der Recherche wurde mir allerdings auch bewusst: Eine möglichst vollständige Liste löst nur einen Teil des Problems. Wichtiger ist die Entscheidung, welche Veranstaltung die eigene Zeit tatsächlich verdient.
Konferenz ist nicht gleich Konferenz
Wer beruflich Personalentwicklung gestaltet oder Verantwortung für L&D trägt, kann heute zwischen sehr unterschiedlichen Veranstaltungsformaten wählen.
Große Konferenzen und Messen bieten einen breiten Überblick. Viele Themen, viele Anbieter, viele Menschen. Das ist hilfreich, wenn ich sehen möchte, was sich im Markt bewegt, welche Technologien an Bedeutung gewinnen oder welche Themen gerade intensiv diskutiert werden.
Kleinere Fachveranstaltungen gehen häufig tiefer. Wenn mich beispielsweise der Einsatz von KI im Corporate Learning, Führungskräfteentwicklung oder Learning Experience Design beschäftigt, kann eine spezialisierte Veranstaltung ergiebiger sein als eine große Konferenz mit einem sehr breiten Programm.
Und dann gibt es BarCamps. Ich mag dieses Format, weil die Teilnehmenden selbst mitbestimmen, worüber gesprochen wird. Das macht den Verlauf weniger vorhersehbar. Gleichzeitig entstehen oft genau dadurch gute Gespräche und neue Ideen.
Es lohnt sich deshalb, bei der Auswahl zunächst das Format zu betrachten. Möchte ich vor allem zuhören und neue Impulse bekommen? Will ich konkrete Methoden kennenlernen? Suche ich den Erfahrungsaustausch mit anderen Praktikern? Oder möchte ich Menschen treffen, die gerade an ähnlichen Fragestellungen arbeiten wie ich?
Je klarer das Ziel, desto leichter wird die Auswahl.
Was möchte ich nach der Veranstaltung haben, was ich vorher nicht hatte?
Diese Frage finde ich hilfreicher als die Suche nach der vermeintlich „besten“ L&D-Konferenz.
Die Antwort kann sehr unterschiedlich aussehen.
Vielleicht möchte ich einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Corporate Learning bekommen. Vielleicht suche ich drei oder vier konkrete Ideen für ein laufendes Projekt. Möglicherweise möchte ich Anbieter oder neue Tools kennenlernen. Oder ich möchte mich mit anderen Menschen austauschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Gerade der letzte Punkt wird bei der Auswahl leicht unterschätzt.
Ein beeindruckendes Programm garantiert noch lange keine gute Veranstaltung für meine Zwecke. Wenn ich gerade ein internationales Leadership-Programm entwickle, kann ein intensives Gespräch mit zwei anderen L&D-Verantwortlichen wertvoller sein als sechs interessante Vorträge am Stück.
Das lässt sich schlecht in einer Agenda abbilden. Trotzdem gehört es für mich zur Auswahlentscheidung.
Sechs Fragen, die bei der Auswahl helfen
Ich würde deshalb vor einer Anmeldung diese sechs Fragen stellen:
1. Passen die Themen zu meinen aktuellen Fragestellungen?
Ein spannendes Programm ist noch kein relevantes Programm. Entscheidend ist, ob die Themen zu dem passen, woran ich gerade arbeite oder womit ich mich in nächster Zeit beschäftigen möchte.
2. Wen werde ich dort wahrscheinlich treffen?
Teilnehmende sind mindestens so wichtig wie Vortragende. Für L&D-Verantwortliche kann der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Organisationen ausgesprochen wertvoll sein. Bei anderen Veranstaltungen steht eher der Kontakt zu Anbietern, Experten oder Forschenden im Vordergrund.
Ich würde mir deshalb durchaus ansehen, für wen eine Veranstaltung eigentlich konzipiert ist.
3. Wie wird dort gearbeitet?
Keynotes und Vorträge können ausgezeichnete Impulse liefern. Workshops ermöglichen Vertiefung. BarCamps und andere partizipative Formate schaffen Raum für Fragen, Erfahrungen und gemeinsames Denken.
Ich lerne besonders gut, wenn ich Informationen mit eigenen Erfahrungen verbinden, diskutieren und anwenden kann. Deshalb gehört die Veranstaltungsdidaktik für mich zu den wichtigen Auswahlkriterien.
4. Suche ich Überblick oder Vertiefung?
Eine große Messe kann hervorragend sein, um innerhalb eines Tages sehr unterschiedliche Entwicklungen kennenzulernen. Wer bereits genau weiß, welches Thema ihn beschäftigt, dürfte von einem kleineren Fachformat möglicherweise stärker profitieren.
Beides hat seinen Wert. Entscheidend ist, was ich gerade brauche.
5. Rechtfertigt der erwartete Nutzen den Aufwand?
Der Ticketpreis ist nur ein Teil der Rechnung. Hinzu kommen Reisezeit, Übernachtung und vor allem die eigene Arbeitszeit.
Bei einer zweitägigen Veranstaltung mit An- und Abreise können schnell drei Arbeitstage zusammenkommen. Deshalb schaue ich nicht nur auf den Eintrittspreis. Ich frage mich, ob Inhalt, Kontakte und erwartete Erkenntnisse diesen Einsatz rechtfertigen.
6. Was mache ich anschließend damit?
Das ist möglicherweise die wichtigste Frage.
Wir kennen vermutlich alle den Effekt: Man fährt mit einem Kopf voller Ideen von einer Konferenz nach Hause. Zwei Tage später wartet der normale Arbeitsalltag. Nach zwei Wochen liegen die Notizen irgendwo zwischen anderen Dokumenten.
Deshalb hilft es, bereits vorher zu überlegen: Was möchte ich von dieser Veranstaltung in meine Arbeit mitnehmen?
Das verändert übrigens auch die Aufmerksamkeit während der Veranstaltung.
Das größte Programm muss also nicht die beste Wahl sein
Je länger ich mich mit der Veranstaltungslandschaft beschäftige, desto weniger sinnvoll erscheint mir eine allgemeine Rangliste der „besten L&D-Konferenzen“.
Dafür sind die Erwartungen zu unterschiedlich.
Wer einen Marktüberblick sucht, braucht eine andere Veranstaltung als jemand, der sich intensiv über ein bestimmtes Learning-Thema austauschen möchte. Wer ein Netzwerk aufbauen will, wird andere Kriterien anlegen als jemand, der gerade verschiedene Learning-Technologien evaluiert.
Auch kleinere Veranstaltungen können deshalb ausgesprochen interessant sein. Ein BarCamp mit intensiven Gesprächen kann mehr bewegen als eine perfekt inszenierte Großveranstaltung.
Relevanz schlägt Größe.
Mein Konferenzregister für L&D-Konferenzen und Events
Aus meiner eigenen Recherche ist schließlich eine Übersicht entstanden, die ich auch künftig selbst nutzen möchte: das Konferenzregister für L&D.
Der Schwerpunkt liegt auf Veranstaltungen rund um Corporate Learning und Personalentwicklung, vor allem im DACH-Raum. Enthalten sind Konferenzen, BarCamps, Messen und weitere Events. Die Übersicht lässt sich durchsuchen und nach verschiedenen Kriterien sortieren.
Die Informationen prüfe ich anhand der Veranstalterseiten, und das Register soll regelmäßig aktualisiert werden. Es soll keine Rangliste sein und auch keine Empfehlung, jede dort aufgeführte Veranstaltung zu besuchen. Dafür sind Interessen, Aufgaben und Ziele viel zu unterschiedlich.
Ich möchte damit vor allem den ersten Schritt erleichtern: herauszufinden, was überhaupt stattfindet und was für die eigene Arbeit interessant sein könnte.
Und wenn eine Veranstaltung fehlt?
Dann freue ich mich über einen Hinweis.
Gerade kleinere Fachveranstaltungen oder BarCamps sind bei einer Recherche manchmal schwerer zu entdecken als die großen Namen. Wenn eine Veranstaltung für Corporate Learning oder Personalentwicklung interessant ist und ins Register gehört, schickt mir gern den Link zur offiziellen Veranstaltungsseite.
Vielleicht entsteht auf diese Weise mit der Zeit eine Übersicht, die uns Learning-Profis ein wenig Recherchearbeit erspart.