Persönlichkeitsentwicklung auf Grundlage der Psychologie – mit dem Personality Profiler

Im Beitrag “Persönlichkeitstests – ein Bewertungsrahmen für Entscheider und Anwender” habe ich dargelegt, dass es den gängigen Persönlichkeitstests oft an der wissenschaftlichen Grundlage mangelt. Da kommt die Frage auf, welche Instrumente denn eine fundiertere wissenschaftliche Grundlage haben. In dieser Hinsicht ist mir ein Instrument sehr positiv aufgefallen: Der LINC Personality Profiler (LPP). Ich habe Kontakt aufgenommen, einen Testzugang erhalten, das Instrument selbst ausgefüllt, und wenig später einen Report und ein Datenblatt mit den Ergebnissen bekommen. Da ich von der Qualität des Instrumentes sehr angetan war, habe ich auch ein Interview mit einem der Macher durchgeführt.

Ich spreche mit Dr. Ronald Franke, Gründer und Geschäftsführer der LINC GmbH, über den LINC Personality Profiler.

Ronald Franke
Dr. Ronald Franke, LINC GmbH


Es gibt bereits gut eingeführte Persönlichkeitsinventare auf dem Markt. Was unterscheidet den Personality Profiler von anderen Instrumenten?

Wir sollten die vorhandenen Instrumente zunächst systematisieren. Es gibt einen sehr großen Block von Instrumenten, die typenbasiert sind. Das bedeutet, man teilt die Menschen in 4, 8, oder auch mehr Typen ein. Diese Ansätze sind aus unserer Sicht sehr fragwürdig, da sich die Typen wissenschaftlich nicht nachweisen lassen. Die allermeisten Modelle basieren auf der Persönlichkeitstheorie von C.G. Jung, der sei Modell nicht empirisch, sondern intuitiv entwickelt hat. Davon abgegrenzt gibt es dimensionale Instrumente. Man verwendet hier verschiedenen Dimensionen, die im Ergebnis ein Profil ausweisen, nicht einen Typ.

LPP LogoDer LPP basiert auf dem besten zur Verfügung stehenden Modell der Persönlichkeit, dem Big Five Modell. Und von den anderen Big Five Instrumenten unterscheiden wir uns dadurch, dass wir neben den Big Five Charaktereigenschaften auch noch Motive und Kompetenzen erfassen, um die Persönlichkeit ganzheitlich abzubilden. Es gibt auch Instrumente, die nur Motive messen, oder nur Kompetenzen messen. Damit wird man der Persönlichkeit letztlich nicht gerecht. Wenn ich die Persönlichkeit erfassen will, muss ich der ganzen Persönlichkeit gerecht werden.

Von den wissenschaftlichen Instrumenten grenzen wir uns dadurch ab, dass es eine anwendungsorientierte Darstellung gibt, dass das Ganze modern gestaltet ist, und einfach schick aussieht, so dass man gerne damit arbeitet.

Was war der Anlass, ein eigenes Instrument zu entwickeln?

Ich fand als Psychologe den Bereich der Persönlichkeit faszinierend. Ich bin auch mit Persönlichkeitstests in Berührung gekommen und war völlig unzufrieden mit den Instrumenten, die es gibt. Natürlich gibt es so etwas wie einen NEO-FFI (Kurzversion des NEO-PI-R, Anmerkung der Redaktion), der allerdings völlig ungebräuchlich ist in der Praxis. Dann gibt es diese Instrumente, die das Thema Persönlichkeit auf einige Typen reduzieren, wobei ich es erschreckend fand, dass diese Instrumente den Markt dominieren. Auch neuere Ansätze sind entweder meiner Meinung nach qualitativ extrem fragwürdig und oder sehr teuer. Ich war also etwas frustriert mit dem, was es auf dem Markt gab.

Inwiefern ist der Personality Profiler wissenschaftlicher als andere?

Hier geht es um die Validität, also die inhaltliche Richtigkeit der Messung, und die Reliabilität, also die Genauigkeit der Messung. Die Validität hängt auch stark von dem Modell ab, das sind die Big Five. Wenn ich ein Tool verwende, das auf einem nicht-wissenschaftlichen Modell beruht, dann kann das Tool nicht valide sein. Wir haben zur Überprüfung der Validität u.a. einen Quervergleich gemacht mit den etablierten wissenschaftlichen Tools, wie dem erwähnten NEO-FFI. Wir haben eine große Studie gemacht, in der wir Menschen den NEO-FFI und den LPP gegeben haben, und da muss für die einzelnen das gleiche Ergebnis herauskommen.

Das Instrument soll zudem reliabel sein, d.h. dass es das, was es misst, genau misst. Auch zur Reliabilität haben wir entsprechende Studien gemacht mit sehr guten Ergebnissen, die sich absolut mit den etablierten akademischen “Flaggschiffen” wie den NEO-Verfahren messen können.

Es gibt drei große Bereiche für die Auswertung: Charakter, Motive und Kompetenzen. Wie kommen die Ergebnisse im Bereich “Charakter” zustande?

Die Basis für die Ergebniskalkulation sind die Facetten, die unter den Big Five Dimensionen liegen. Die Big Five sind ja sehr breite Dimensionen. Darunter liegen die feineren Facetten, und wir messen auf der Ebene der Facetten. Wenn wir das nicht machen, würde für jede extravertierte Person herauskommen, dass sie auch dominant ist. Es gibt aber extravertierte Menschen, die nicht dominant sind, sondern zum Beispiel sehr gesellig. Und deshalb ist es so wichtig, auf der Ebene der Facetten zu messen und die Ergebnisse auszuweisen. Gerade die Texte in der Auswertung nehmen Bezug auf die Facetten.

Was bekommen die Anwender als Ergebnis?

Es gibt zwei Arten von Ergebnissen. Da ist einmal der Report, der ist für den Menschen gedacht, der das Instrument ausgefüllt hat. Insgesamt hat der Report 30 Seiten. Es gibt Grafiken, die schnell zeigen, wo die Präferenzen liegen, in den Charaktereigenschaften und in Motiven, und zusätzlich, wie stark die Kompetenzen ausgeprägt sind. Und es gibt Texte, die die wichtigsten Facetten darstellen. Die Texte liefern Beschreibungen, Hinweise, wie ich wahrscheinlich von anderen wahrgenommen werde, was ich von anderen mit anderen Persönlichkeiten. lernen kann, und ganz konkrete Handlungsempfehlungen. Wir beziehen die Ergebnisse immer auf konkrete Handlungsfelder, wie Kommunikation, Führung, Konflikt.

Diese Art der Texte hat mir gut gefallen in meinem Report. Es gibt gute Hinweise, worauf man achten kann und was man tun kann.

Der zweite Report ist das sogenannte Datenblatt. Es ist so gedacht, dass das der Coach oder Trainer bekommt. Da sind keine Texte drin, dafür aber noch detailliertere Daten. Im Datenblatt sind alle Kompetenzen dargestellt, und man bekommt zwei Informationen zu den Kompetenzen. Einmal die Info, wie sieht sich der Anwender selbst, und einmal die Info, wie ausgeprägt ist die Kompetenz wahrscheinlich aufgrund des Big Five Profils. Wir können ja nicht sicher feststellen, ob jemand wirklich empathisch ist, aber zu dem Big Five Modell gibt es sehr viel Forschung, und deshalb auch sehr viel Forschung darüber, wie die Big Five mit den Kompetenzen zusammenhängen. Man kann also sagen, jemand mit deinem Big Five Profil ist statistisch in dem Ausmaß empathisch, und dann kann man das mit der Selbsteinschätzung vergleichen.

Weiterhin sind alle Facetten dargestellt. Das machen wir im Report nicht, weil wir die Sorge haben, dass das die Anwender überfordert. Der Trainer bekommt detailliertere Darstellungen und kann entscheiden, was davon er mit seinen Klienten oder Teilnehmern bespricht.

Einsatzbereiche: Überall da, wo es sinnvoll ist, dass ich meine Persönlichkeit besser kennenlerne, und besser verstehe, wie die Persönlichkeit von anderen ist und wie deren Verhalten zustande kommt.

Was sind die Einsatzbereiche des Personality Profiler?

Überall da, wo es sinnvoll ist, dass ich meine Persönlichkeit besser kennenlerne, und besser verstehe, wie die Persönlichkeit von anderen ist und wie deren Verhalten zustande kommt. Am häufigsten wird das Instrument im Coaching eingesetzt, für unterschiedliche Personengruppen. Häufig hat das zu tun mit Persönlichkeitsentwicklung, Berufsorientierung, Führung. Auch Stress oder Resilienz können Themen sein. Oft wird das Instrument auch eingesetzt in der Nachwuchs-Führungskräfte-Entwicklung oder in der Team-Entwicklung.

Wie kommt dieses Instrument an auf dem Markt?

Wir erst seit eineinhalb Jahren am Markt und dafür haben wir schon viele, die damit arbeiten. Wir haben das Gefühl, einen Nerv getroffen zu haben. Wir haben ca. 150 zertifizierte Coaches und es werden immer mehr. Wir machen jeden Monat eine Zertifizierung mit ca. 20 Leuten, die Kurse finden in Lüneburg und in München statt. Wenn die Unternehmen schon mit solchen Tools arbeiten, müssen wir mehr Überzeugungsarbeit leisten und es ist schwieriger. Wenn wir mit jungen Unternehmen sprechen, oder wenn wir in einem Wettbewerb stehen mit anderen Tools, dann haben wir sehr gute Chancen. Sobald die Ansprechpartner sehen, dass wir ein wissenschaftliches Tool haben, das attraktiv gestaltet ist, und zudem kostengünstig, dann haben wir wirklich gute Chancen.

Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke!

Wie Coaching dir bei der Potentialentwicklung hilft

Anke-Thomas
Anke Thomas

Ich spreche mit Anke Thomas, Coach mit Führungserfahrung in der Automobilbranche. Sie weiß Menschen in herausfordernden Situationen zu helfen. Dazu gehört auch, dass Menschen Neues lernen, um eben diese herausfordernden Situationen zu meistern.

Der dm Gründer Götz Werner sagt in dem Film „Die stille Revolution“ es gäbe zwei Wege des Lernens. Entweder Einsicht oder Katastrophe. Wie lernen deine Coachees?

Ein Zitat des Neurobiologen Gerald Hüther fasst mein Verständnis von Lernen zusammen „Wenn wir einander wie Objekte behandeln, ist Potentialentwicklung unmöglich – wenn wir uns wie Menschen begegnen, ist Potentialentwicklung unvermeidbar.“

Wenn der Coachee im sicheren Umfeld des Coachings genau diesen Raum hat – mehr Vertrauen in sich gewinnt und durch diese Wertschätzung sich selbst gegenüber sicherer wird – dann wird er unabhängig vom Außen.

Und das fängt an mit der Beziehung zu mir selbst. Viele vergessen, dass einer der wichtigsten Faktoren beim Lernen der spielerische Umgang mit mir selbst ist – was fällt mir leicht, wo spüre ich meine Grenzen… a-ha, und ich probiere es weiter. Das kann ich nur, wenn ich mir meiner bewusst bin und mich akzeptiere, so wie ich bin. Und da wir in einer bewertenden Umwelt leben, die uns diesen kindlichen, spielerischen Umgang mit dem Lernen aberzogen hat,  führe ich meine Coachees dahin zurück: damit sie sich schätzen, gerade weil sie an Grenzen kommen – und eigenverantwortlich immer mal wieder entscheiden über neue Grenzen zu gehen, um zu lernen. Und wenn sie dabei auf den Hintern fallen, sich nicht verurteilen, sondern sich amüsieren und es neu versuchen. Wenn der Coachee im sicheren Umfeld des Coachings genau diesen Raum hat – mehr Vertrauen in sich gewinnt und durch diese Wertschätzung sich selbst gegenüber sicherer wird – dann wird er unabhängig vom Außen.

Darüber hinaus behandelt er  oder sie Menschen um sich wertschätzender, ohne Bedingungen zu stellen. Im organisationalen Kontext, wenn mehrere Personen sich und ihr Umfeld verändern, kann das langfristig zu einer deutlich verbesserten Lernkultur führen.

Wie läuft bei dir ein typisches Coaching ab?

Jedes Coaching ist ein ganz individueller Prozess. Dennoch gibt es einige Elemente, die typisch sind.

Am Anfang steht immer ein Gespräch zum Kennenlernen, sich beschnuppern. Denn es ist nichts wichtiger als die Beziehung zwischen Coach und Coachee für den Lernerfolg des Coachees, das zeigen zahlreiche Studien.

Wenn dann das Anliegen oder Ziel für das Coaching gefunden ist, starten wir mit dem eigentlichen Coaching. Du formulierst ein attraktives Ziel für die Veränderung. Du reflektierst Dein Handeln, mögliche Lösungen und findest Deine Lösung. Gemeinsam schauen wir uns an, ob es Blockaden gibt und wie Du diese überwinden kannst. Du setzt Deine Entscheidungen in konkretes Handeln um. Um das Ergebnis des Coaching nachhaltig zu verankern, probierst Du neues Verhalten und neues Denken auch zwischen den Sitzungen alleine weiter. Bei den “Tretpfaden von Gedanken und Verhalten“  ist die Forschung sich nicht ganz einig – man darf davon ausgehen, dass man ein neues Verhalten und Denken mindestens drei Wochen täglich anwendet, bevor man einen neuen neurologischen Tretpfad eingerichtet hat.

Kannst du ein Fallbeispiel skizzieren?

Eine Führungskraft bemerkt, dass ihr in den letzten Monaten immer häufiger Energie fehlt. Die Mitarbeiter melden zurück, dass sie sich ungerecht behandelt fühlen. Auch im Privaten liegt einiges im Argen, die Freundin denkt über Trennung nach. Die Führungskraft will etwas verändern, weiß aber nicht was und wie.

Wir telefonieren, der Coachee schildert mir sein Anliegen, wir machen einen Termin für ein Erstgespräch aus. Dazu schicke ich ein paar Fragen zur Selbstreflexion. Beim Erstgespräch beschreibt der Coachee die Situation und definiert das Ziel fürs Coaching: „Ich möchte Klarheit finden, was die Energie nimmt. Ich möchte herausfinden, was ich verändern kann im Innen und Außen, damit es mir und den Menschen um mich herum gut geht. Ich möchte diese Veränderung bis in vier Monaten so konkret angehen, dass ich, meine Mitarbeiter und meine Freundin die Veränderung sehen.“

Da der Coachee viel beruflich unterwegs ist, vereinbaren wir eine erste persönliche Coaching Sitzung, von den drei Folgesitzungen finden zwei Sitzungen telefonisch und eine persönlich statt. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Und kommen an einen „neuralgischen Punkt“ – Glaubenssätze, die den Coachee davon abgehalten hat, mit sich selbst achtsam umzugehen. Nachdem der Coachee die Glaubenssätze bearbeitet hat und loslässt, will er neue achtsame Verhaltensweisen in sein Leben integrieren. Ich empfehle ihm, sich mithilfe eines Kurses die für ihn passenden Achtsamkeitsmethoden anzueignen und empfehle ihm geeignete Trainer. Nach acht Wochen telefonieren wir und reflektieren, was sich alles verändert hat: der Coachee wird seinen Job verändern, mehr Zeit für sich selbst und seine Partnerschaft nehmen.
 
Was sind Erfolgsfaktoren deines Coachings?

Das ist eine Kombination der Beziehung zum Coachee, meinem Vertrauen in den Coachee – und Methodenvielfalt. Wenn ich als Coach ein herausforderndes Lernumfeld schaffe und der Coachee dadurch angeregt wird – dann passiert Veränderung. Die Fokussierung von Methoden und Fragen auf das positive Potential des Coachees und meine feste Überzeugung, dass die Lösung im Coachee liegt und nur gefunden werden will – das kann viel bewegen. Und die Vielfalt meiner Methoden ist mir wichtig, da Menschen aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit auch im Lernen so verschieden sind: der eine braucht Visualisierung, ein anderer muss sich bewegen; der eine braucht Empathie, ein anderer Humor; der eine kommt an sein Thema am besten mit der Gewaltfreien Kommunikation heran, bei einem anderen funktioniert The Work.

Und wie kreierst du diese Erfolgsfaktoren?

Mich hier komplett einzulassen auf den Coachee, ohne eigene Vorlieben zu bespielen – das ist das für mich Entscheidende für den Erfolg. Ich mache nur Angebote, frage und erläutere Methoden, die helfen können – letztendlich entscheidet aber der Coachee, was zu ihm oder ihr passt. Um das zu können, bin ich selbst Fan von achtsamen Methoden. Um und mich hier ganz auf den Coachee einlassen zu können – durch Achtsamkeitsmethoden bin ich schnell in der Lage, mich in diesen Zustand zu versetzen.

Und dem Coachee empfehle ich ein angenehmes Umfeld, möglichst weg vom Problem oder Anliegen – damit Lernen überhaupt möglich ist.  Gern in meinen Räumen oder in der Natur. Darauf achte ich besonders dann, wenn wir Telefoncoaching machen, da es für die meisten Coachees keine Selbstverständlichkeit ist, für sich zu sorgen.  Den eigenen Lernraum positiv zu gestalten, das wird sich für den Coachee weit über das aktuelle Anliegen hinaus verankern – und sich auszahlen!

Vielen Dank, Anke, für die aufschlussreichen und spannenden Antworten. Wer mehr über Anke wissen will, findet bei at-Change viele weitere Informationen.